Netcup IPs im Praxiseinsatz: Nutzung für privates Browsing und Business-Anwendungen

  • Ich wollte einmal in die Runde fragen, ob irgendjemand seinen vServer bzw. KVM-Rootserver als Exit-IP für seinen privaten Internetanschluss oder Businessanschluss nutzt.

    Kann es da sein, dass eventuell viele Dienste grundsätzlich IPs blockieren, wenn Sie von einem Rechenzentrum stammen oder das deswegen ständig Captchas eingegeben werden müssen?

    Wer hat damit Erfahrungen in der Praxis? Reicht es aus, wenn die genutzten IPs beispielsweise clean sind d.H. ohne Blacklisteinträge oder ist es undenkbar, dass solche Adressen im Privaten oder Firmenumweld genutzt werden als Exit-IP ?

    Ich freue mich auf eure Kommentare, speziell geht es um die Umsetzung eines Securitykonzeptes mit tentraler Firewall ohne TLS-Inpektion, wodurch ja dann mehrere angebundene Kunden die rechenzentrum IPs nutzen. Das Konzept ist aber zunächst egal und soll nicht Thema werden, nur Erfahrungen bezüglich der Nutzung von Rechenzentrum ips im privaten Umfeld.

  • Ich nutze ein oder zwei der IPs gelegtlich zum Surfen über ssh -D, kann dort aber eigentlich keine besondere Probleme melden. Mein VPS Terminalserver hat beim surfen auch keine besondere Probleme.

    Die andauernde Captcha-Eingabe kenne ich nur wenn ich meinen VPN-Service nutze, die IP sind dann aber auch als VPN-Endpunkte bekannt.

    | VPS: 28 | vCPU: 75 | Memory: 104 GB | Disk: 4012 GB |

  • Ich nutze einen NC-Server als VPN-Konzentrator fuer meine mobilen Geraete (Handy immer, Notebook nur auf Reisen, nicht zu Hause). Das ist eine sehr leichte und eingeschraenkte Nutzung, die nicht Deiner Anwendung entspricht, aber vielleicht hilft es ja trotzdem.

    Der einzige Dienst, bei dem ich je Probleme hatte, ist Reddit. Die blocken Zugriffe von IP-Adressen, die sie bei Hostern vermuten. Aber meine jetzige IP steht (noch?) nicht auf deren Liste. Kann sich natuerlich auch noch je nach IPv4/IPv6 unterscheiden.

    Ich persoenlich wuerde mich nicht trauen, das fuer meinen privaten Anschluss so zu konfigurieren. Die zusaetzliche Komplexitaet insbesondere bei der Fehlersuche scheint mir den moeglichen Gewinn zu ueberschreiten. Ich habe lieber mehr Aufwand in mein Konzept fuer eine verteilte Firewall mit zentraler Verwaltung gesteckt. Aber die Abwaegung muss natuerlich jeder selbst machen.

    Mehrere Kunden ueber die selbe IP zu routen hat noch eigene Gefahren. Z.B. hat dann das Fehlverhalten eines Kunden Auswirkungen auf alle Kunden. Und manche Dienste haben IP-gebundene Ratelimits, die sich Deine Kunden dann teilen. Versuch doch mal 'ne Google-Suche ueber Tor.

    Du kannst natuerlich auch fuer jeden Kunden zusaetzliche IP-Adressen buchen. Da musst Du dann ein bischen Aufwand mit dem (Source-)Routing treiben.

  • Auch ich habe keine Erfahrungen mit dem Szenario. Ich nutze eine Netcup-IP als Inbound-Kontaktpunkt für NAT-Geräte, aber nicht ausgehend. Es gibt aber DNSBLs, die den "zu Hause" Status von IP-Adressen abbilden. Die werden normalerweise verwendet, um das direkte Einliefern von Mail über solche Adressen zu stoppen. SORBS DUHL war so eine Liste. Aber natürlich kann man das auch umdrehen und typischen Endbenutzer-Datenverkehr von Rechenzentrumsadressen unterbinden. Heutzutage trifft es hauptsächlich VPN-Exitnodes (mit TOR als Spezialfall). Da viele kommerzielle Dienste nicht über VPNs genutzt werden möchten, ist das ein reges Katz und Maus Spiel. Besonders bei Streaminganbietern würde ich deshalb mit Problemen rechnen. Aber auch normale Webseiten haben über VPNs aufgerufen je nach Exitnode öfter mal ein Captcha, das man sonst nicht zu sehen bekommt. Je nach Erfolg deines Konstrukts müsstest du dich auf sowas einstellen.

    Es ist ohne Zweifel attraktiver, von einer als Endbenutzeradresse erkennbaren IP ins Internet zu gehen, schon alleine, weil die i.d.R. nicht statisch ist. Dynamische Adressen, auch überladene NAT-Adressen, haben für Konsumenten fast nur Vorteile und sind einfach "authentischer". Der wesentliche Nachteil bei NAT ist, dass man mit anderen Kunden in einen Korb geworfen wird, aber genau den Nachteil fängst du dir ja bei deiner Anwendung auch ein.

  • Vielen Dank für eure Erfahrungen, wichtig ist mir ein zentrales Konzept, die Standorte verbinden sich dann über wireguard.

    Man könnte natürlich auch jedem Kunden eine eigene ipv4 zuweisen und entsprechende Regeln setzen. Es wäre nur doof, wenn ich das hoch skaliere, dass dann Kunden anfangen und sich darüber beschweren, dass Dienste nicht richtig funktionieren.

    Beim zentralisieren Ansatz kann ich auch mal schnell das Produkt wechseln, ohne an 100 Standorten die Firewalls austauschen zu müssen und ich habe zentral alles im Blick.

  • Mehr als über die praktischen Aspekte von verschiedenen Arten von IP-Adressen würde ich mir an deiner Stelle über die rechtlichen Risiken Gedanken machen. Lass deine Kunden lieber ihren eigenen Anschluss benutzen. Wenn ich "zentral alles im Blick" lese, bekomme ich nervöse Zuckungen. Das erweckt bei mir nicht den Eindruck, als wäre dir die Bedeutung dessen, was du vorhast, bewusst.

    Einmal editiert, zuletzt von NaN (24. April 2026 um 17:12)

  • Mehr als über die praktischen Aspekte von verschiedenen Arten von IP-Adressen würde ich mir an deiner Stelle über die rechtlichen Risiken Gedanken machen. Lass deine Kunden lieber ihren eigenen Anschluss benutzen. Wenn ich "zentral alles im Blick" lese, bekomme ich nervöse Zuckungen. Das erweckt bei mir nicht den Eindruck, als wäre dir die Bedeutung dessen, was du vorhast, bewusst.

    Also ich setze auf gmbh vll. zu Beginn UG, setze Securitymaßnahmen nach dem Stand der Technik um bzw. sogar noch leicht drüber und eine Vermögensschadenhaftpflicht in Kombination mit Betriebshaftpflicht ist auch geplant.

    Es hat Kostengründe, ein kleiner openwrt-Router kostet wesentlich weniger in Kombination mit einer zentralisierten Firewall, als jedem Standort eine Firewall zu verpassen und das Remotemanagement von 100 Firewalls ist auch wesentlich komplexer als von einer Firewall. Ich hoste die eventuell sogar auf einem richtigen Rootserver mit z.B. ProxMox und Standort Deutschland.

    Wenn jemand richtig Ahnung hat und seine Freizeit gerne für mich opfern möchte, so darf er mein Konzept gerne beurteilen evtl. suche ich ja später sogar noch Leute für den IT-Support. Es geht um Managed-Security für Arztpraxen, wobei ich bei Psychotherapeuten beginne.

    Ich Dokumentiere sauber und das ist auch Essentiell.

  • Wenn dir die Vorstellung, anderen in Deutschland kommerziell einen Internetzugang zur Verfügung zu stellen, keine Angst macht, dann freue ich mich über Berichte, wie es gelaufen ist. Alleine die Erfassungs- und Auskunftspflichten würden mir das schon verleiden. (Und dann auch noch im Medizinumfeld. Bewirbst du dich um den Balls of Steel Award?)

    Einmal editiert, zuletzt von NaN (24. April 2026 um 18:49)

  • Ich betreibe ein eigenes VPN, über das ich einen Großteil meines Internet-Traffics abwickle.

    Ein normales surfen ist damit nicht möglich.
    Die Einschränkungen sind zwar meistens umgehbar, aber deutlich merkbar.

    Das gilt für Cloudflare (fast immer Captcha), Reddit (vollständige Sperre), Youtube (nur mit Anmeldung nutzbar), Amazon (gelegentliche Sperren und zusätzliche Accountverifikation), ...

    tl!dr:
    Funktioniert, aber man benötigt öfter mal Alternativen (anderes VPN, oder VPN abschalten).

  • Ich kann nicht alle Gesetze kennen und es gibt bestimmt immer irgendwelche Gesetze, auf die man im Leben nicht gekommen wäre.

    Am Ende ist es ja eher so, wo kein Kläger da kein Richter.

    Du willst wahrscheinlich auf das TKG hinaus und die Auskunftspflichten, wenn ein Kunde mit seinem "meinem" Internetanschluss mist baut. Das könnte ich technisch natürlich einfach umsetzen, indem ich rotierende Logs verwende und mit Kettenhashwerten arbeite.

    Edit: Es wäre natürlich suboptimal wenn ich dann noch weiteren ISP-Pflichten nachkommen müsste.

  • Ich betreibe ein eigenes VPN, über das ich einen Großteil meines Internet-Traffics abwickle.

    Ein normales surfen ist damit nicht möglich.
    Die Einschränkungen sind zwar meistens umgehbar, aber deutlich merkbar.

    Das gilt für Cloudflare (fast immer Captcha), Reddit (vollständige Sperre), Youtube (nur mit Anmeldung nutzbar), Amazon (gelegentliche Sperren und zusätzliche Accountverifikation), ...

    tl!dr:
    Funktioniert, aber man benötigt öfter mal Alternativen (anderes VPN, oder VPN abschalten).

    Das ist sehr interessant, nutzt du die IP denn alleine oder hängen da mehrere Leute hinter der ipv4 ?

  • Ich hatte mit meiner RS IPv4 öfter mal Probleme bei Google. Dort kam eine Seite mit dem Hinweis, dass aus meinem IP Bereich automatische Anfragen kommen und ich gesperrt sei und es in 24 Stunden nochmal probieren soll. Ohne Captcha. Nach Umzug des RS auf eine neue Generation mit neuer IP war der Spuk vorbei.

    War wohl Sippenhaft.

  • Ich hatte mit meiner RS IPv4 öfter mal Probleme bei Google. Dort kam eine Seite mit dem Hinweis, dass aus meinem IP Bereich automatische Anfragen kommen und ich gesperrt sei und es in 24 Stunden nochmal probieren soll. Ohne Captcha. Nach Umzug des RS auf eine neue Generation mit neuer IP war der Spuk vorbei.

    War wohl Sippenhaft.

    Lustig. Da beklagt sich ja genau die richtige Firma über automatische Anfragen.

    Einmal editiert, zuletzt von tab (24. April 2026 um 20:46)

  • Na vll. mache ich es doch dezentral mit zentralem Management, wenn das mit den RZ-IPs mal klappt und mal nicht, ist das ja auch nicht gut, kostet halt mehr Hardware, erspart mir TKG.

    Wahrscheinlich kommt ElektroG mit WEEE noch auf mich zu, da es in Deutschland kaum passende Hardware gibt und VerpackG, weil ich dem Kunden die Ware in nem Karton schicke und der Karton muss ja in deutschland von jedem Händler erneut bezahlt werden, aber das kenne ich schon.

    Deutschland versinkt im Irrsinn mit seinen Gesetzen.

    Die Chinesen machen es richtig mit den EU-Stores, da können dann privatleute zoll und steuerfrei einkaufen, nur die Businessleute können mit der Chinarechnung nichts anfangen.

  • Ich bin trotzdem noch für weitere Langzeitetfahrungen von alleinnutzern einer rz-IP dankbar.

    Die Gesetze kann man eventuell auch sammeln.

    Mit dem TKG habe ich mir nun den Abend versaut und grob recherchiert. Die Frage ist halt bin ich da wirklich Meldepflichtig? Dort steht:

    "Wer gewerblich öffentliche Telekommunikationsnetze betreibt oder gewerblich öffentlich zugängliche Telekommunikationsdienste erbringt, paar Ausnahmen...." ist Meldepflichtig. "

    Habe ich mit der Struktur wirklich einen öffentlich zugänglichen Telekommunikationsdienst"? Ich zweifle da noch ein wenig dran. Der Dienst wird von mir konfiguriert und ist der öffentlichkeit nicht zugänglich. Das müsste ich noch prüfen.

    Ansonsten ist ElektroG und VerpackG problemlos für mich.

  • Genau diese Art der Meldungen wären extrem lästig, teilweise kommen die dann bei jedem Aufruf der betreffenden Seite und machen das System dadurch undbrauchbar.

    ich glaube das TKG ist für mich nicht so kompliziert oder übersehe ich etwas? Kennst du dich da gut aus NAN?


    - Anmeldung mit einfachem Formular mit 2-3 Angaben

    - jeder Kunde eine exit-ip für Abusehandling nicht schlecht und zur Vermeidung von Captchaprüfungen

    - Sicherheitskonzept und Auskunfspflichten bei Vorfällen bekomme ich hin.

    - Vernünftige Definitionen meiner Logpolitik um DSGVO-konform zu bleiben (Zweck, Löschintervalle etc.)

  • …. Es geht um Managed-Security für Arztpraxen, wobei ich bei Psychotherapeuten beginne.

    …

    Hast du schon potentielle Kunden im Bereich Arztpraxen (außer Psychotherapeuten)? In sehr vielen ist meistens noch ein Systemhaus Aufgrund des PVS mit drin. Du musst das so stabil betreiben können, das keine Abfragen beim Surfen usw. kommen. Sonst wird dein Telefon nicht still stehen. Ich habe im Quartal mit vielen Praxen Kontakt und das ist nicht immer einfach.