Kontaktadresse für Beschwerde gegen DMA / Microsoft-E-Mail-Blocklist

  • Weiß jemand wo man eine Beschwerde gegen den DMA (Digital Markets Act) einlegen kann?

    Am liebsten elektronisch, notfalls auch per altmodischer Post. Ich habe jetzt die Verordnung einmal komplett reingezogen und weiß, dass für die Durchsetzung ausschließlich direkt die EU zuständig ist, aber wo kann man eine Beschwerde/Hinweis/... einreichen? (Ich habe auch schon beim Bundeskartellamt nachgefragt, weil ich nach erfolgloser Suche gemutmaßt hatte, dass evtl. das BKartA als nationale Behörde dafür zuständig sein könnte, dort hat man aber nur mit den Achseln gezuckt.)

    Hintergrund ist der Folgende:

    Ich betreibe einen kleinen dedicated VPS bei Netcup mit nur einer handvoll von aktiv genutzten E-Mail-Konten. Mit schöner Regelmäßigkeit landet der gesamte Netcup-IP-Bereich 202.61.192.0/18, in dem sich auch mein VPS befindet, bei Microsoft (outlook.com, outlook.de, hotmail.com) auf der Blockliste. Ich selbst habe sämtliche State-Of-The-Art-Anti-Spam-Maßnahmen umgesetzt und gehe damit sogar über das Hinweis, was MS empfiehlt, um ein Blocking zu verhindern (Link habe ich leider gerade nicht mehr parat.) Das man bei Netcup häufiger als "Kollateralschaden" geblockt wird, ist bekannt. Dazu gibt es genug Threads auch in diesem Forum. Anfänglich habe ich mich über https://olcsupport.office.com/ delisten lassen. Auf Dauer nervt das aber, insb. weil man i.d.R. als erstes eine automatisierte Antwort erhält mit der Mitteilung, die eigene IP-Adresse sei nicht geblockt. Erst wenn man eskaliert und darauf hinweist, dass wahrscheinlich der ganze Netzbereich geblockt wurde, geht es dann doch. Ich musste dazu aber auch schon zwei-/dreimal sehr deutlich werden.

    Offensichtlich ist es Microsoft also möglich, bei geblockten Bereichen einzelne IPs wieder als Ausnahme in eine Art "Allow List" zu setzen. Allerdings scheint dies nicht von Dauer zu sein. Denn nach ungefähr sechs Wochen geht das Spielchen von vorne los. Ich vermute, dass der Eintrag auf der Allow List nur solange bestehen bleibt, wie auch der zugehörige IP-Bereich beblockt ist. Sobald aber der gesamte IP-Bereich wieder freigegeben wurde, wird auch der Ausnahmeeintrag entfernt und wenn dann beim nächsten Mal wieder der IP-Bereich gesperrt wird, ist man erneut mitbetroffen.

    Ich tendiere daher dazu Beschwerde gegen Microsoft einzureichen auf Basis der DMAs. Ich habe mit keinem anderen der großen Mail-Anbieter solche Probleme. Insbesondere deren Hinweise, man könne doch auch einfach Microsoft als Mail-Anbieter nutzen und alles nach outlook.com migrieren, um das "smooth/trouble-free/undisturbed mail experience" zu haben, hinterlässt bei mir den Eindruck, dass Microsoft dies durchaus absichtlich macht, um kleine Mail-Anbieter oder self-hosted Mailer unattraktiv zu machen. Spambekämpfung ist wichtig, aber wenn Microsoft wollen würde, könnte Microsoft durchaus eine permanente Allow List pflegen. Das darf gerne auch an Vorbedingungen geknüpft sein, dass man selbst bestimmte Anti-Spam-Maßnahmen umgesetzt hat. So wie es momentan aber abläuft, drängt sich bei mir der Eindruck auf, dass Microsoft eine "Gate Keeper"-Funktion ausübt, bei der die anderen großen Mailanbieter bevorzugt, aber kleine Anbieter bzw. Self-Hosting-Lösungen diskriminiert werden.

    Mir ist auch bewusst, dass wahrscheinlich am Ende nichts dabei herauskommt und die Sache im Sande verläuft. Da steckt dann auch für mich viel Arbeit drin. Wenn man es aber zumindest nicht versucht, ändert sich auch nichts. Also wo würde man eine Beschwerde einreichen?

  • Lass doch Netcup lieber das delisting beantragen.

    Mehr dazu in diesem Thread: Delisting beantragen (S3150)

    Hervorheben möchte ich hierbei folgenden Post, in dem es darum geht, wie bei einem anderen Hoster empfohlen wird, dieses nicht selbst zu unternehmen, aufgrunddessen das vermeintliche Probleme, die überhaupt erst zu der Sperrung des IP-Blocks führten, noch nicht behoben sein könnten. Delisting beantragen (S3150)

    Anders ist dies bei T-Online zu unternehmen, wie man in diesem Post des Threads von mir lesen kann.

  • Du verpasst den Punkt. Es geht nicht darum, dass Delisting zu beantragen. Es geht darum, dass es eine Zumutung ist, überhaupt das Delisting beantragen zu müssen. Wenn man versehentlich, nachvollziehbar einmal alle Jubeljahre auf der Blocklist landet, wäre das noch akzeptabel. Hier liegt aber ein Fall vor, dass ich ungefähr alle sechs Wochen das Delisting erneut beantragend muss.

    Ich persönlich habe so gut wie keine `outlook.de`/`outlook.com`/`hotmail.com`-Kontakte. Daher bekomme ich es selbst auch nicht immer zeitnah mit, wenn mein Server wieder Opfer eines Kollateralschadens geworden ist. Auf meinem VPS sind sechs Nutzer aktiv. Die übrigen Nutzer haben mehr Bekannte mit Microsoft-Konten. Ich bekomme dann nur ca. alle zwei Monate mitgeteilt, dass mein VPS mal wieder nicht funktionieren würde. Alle anderen Bekannten, die bei Microsoft, GMail oder Apple seien, hätten untereinander schließlich keine Probleme. Sprich: Microsofts Taktik, die ich hier unterstelle, geht auf. Angemerkt sei hier noch, dass eine Zustellung zu GMail oder Apple seit Anbeginn einwandfrei funktioniert; nur Microsoft blockt regelmäßig.

    Ein Delisting bei Microsoft funktioniert in der Regel innerhalb von 48h, wenn man es selbst bei Microsoft beantragt, oder eher 4-5 Tage, wenn es über Netcup läuft. Gegen die Reaktionzeit beim Delisting kann ich mich nicht beschweren.

    Das Problem ist jedoch, dass das Spielchen nach sechs Wochen wieder von vorne losgeht, einige Zeit anhält, weil ich es nicht zeitnah mitbekomme und damit für _mich_ (nicht für Microsoft) ein Reputationsschaden einhergeht.

    Das Problem ist auch hinlänglich bei Netcup bekannt. Ich zitiere gekürzt aus der gestrigen Mail vom Netcup-Support:

    Dieses "Querstellen" seitens Microsoft habe ich nun selbst erlebt. Das eigentliche Delisting ging relativ schnell und unproblematisch, aber warum es überhaupt zu der Sperrung kam und wie man gedenkt zukünftiges Overblocking zu vermeiden, wollte man nicht kommentieren. Nachdem das Delisting durch war, haben wir noch mehrfach Mails ausgetauscht, weil ich insistiert habe, dass das Delisting einen dauerhaften Effekt hat.

    Hier auch wieder gekürzt, meine Nachricht an Microsoft:

    Zitat

    Dear [...] and Manjushri,

    it appears that for the time being mail delivery from my mail server to the Microsoft mail servers works again. Hence, your mitigation show a (probably temporary), positive effect.

    However, this does not answer my question: How do you ensure that this mitigation stays in effect *permanently*? I have to insist on that. Your practice of repeatingly overblocking mail servers at haphazard which are demonstrably of good standing is unacceptable. [...]

    My mail server is a dedicated server which has not transmitted any spam mail since it exists. The mail server verifiably implements state-of-the-art anti-spam measures which even go beyond your own recommendations at <URL entfernt>. As you have confirmed yourselves my mails server (<IP>) itself hasn't been blocked. Hence, I must assume that you have blocked the entire IP range 202.61.192.0/18 or 2a03:4000::/32 or even the entire AS 197540.

    As I wrote in my previous mail, this incident has been re-occurring several times. In each of the cases, my IP seems to have been a collateral victim due to your practice of overblocking entire network ranges. However, it appears as if any exemption from a block list only lasts until the next time the network range is blocked again.

    I am considering to file a complain based on the European Digital Markets Act for the sector "communication platforms" and/or other applicable regulations. By not allowing to make permanent exceptions to your block list for inculpable mail servers you discriminate small providers and self-hosted solutions and abuse your market power as a "Gate Keeper" in a harmful and willful way. I strongly recommend you to find a lasting solution to this matter.

    Die Antwort von Microsoft

    Zitat

    Hello,

    Thank you for contacting the Outlook.com Deliverability Support Team.

    I do apologize, but I am unable to provide any details about this situation since we do not have the liberty to discuss the nature of the block or our internal rules beyond those publicly documented at [URL entfernt]. Your IP ([IP entfernt]) has already been mitigated. We regret that we are unable to provide any additional information or assistance at this time.

    Thanks again,

    Das heißt Microsoft sagt im Wesentlichen, sie hätten Regeln an die man sich doch gefälligst halten solle, aber nur ein paar sind öffentlich dokumentiert und wieso und weshalb man darüber hinaus geblockt worden sei, würden sie nicht mitteilen. Das ist für mich ein nicht tragbarer Zustand. Ich nehme auch stark an, dass Microsoft es niemals wagen würde, GMail, Apple oder ähnliche große Anbieter so zu behandeln und mal hin- und wieder "versehentlich" zu sperren. Hätten wir eine stärker fragmentierte Provider-Landschaft und Microsoft würde sich so verhalten, dann würden Nutzer auch eher dazu tendieren, die Ursache Microsoft anzulasten, weil Microsoft-Kunden plötzlich keine Mails mehr empfangen könnten. Bei der vorliegenden Oligopol-Situation funktioniert so ein Verhalten. Aus meiner juristischen Laienperspektive ist das aber genau die Art von "Gate Keeper"-Verhalten, für die der DMA gemacht wurde.

    Und nochmals: Ich bin noch nicht einmal Gegner von IP-Range-Blockaden. Falls ein Anbieter sich jedoch für diesen Mechanismus entscheidet, sollte zudem Mindestvoraussetzung sein, dass es eine Art permanente Allow List gibt, die verhindert, dass man wiederholt Opfer einer solchen IP-Range-Blockade wird. Es wäre auch akzeptabel, dass man von der Allow Liste wieder entfernt wird, sofern von dem Server selbst Spam ausgeht. Die Allow List wäre nur dazu da, um einer pauschalen IP-Range-Sperrung zu entgehen. Ziemlich offensichtlich hat Microsoft ja eine solche Liste, nur scheint die zurückgesetzt zu werden, wenn auch die Sperrung für den umliegenden IP-Bereich im ganzen aufgehoben wird.

  • Ich persönlich habe so gut wie keine `outlook.de`/`outlook.com`/`hotmail.com`-Kontakte.

    Das musst du auch garnicht. Richtig schlimm wird es für kommerzielle Smtpserver.

    Die Blacklists gelten nämlich auch für Outlookprotect. Das ist wohl ein Produkt für Firmen, die darüber ihre Firmenmails filtern lassen.

    Ein klassischer Fall von Mißbrauch der Marktmacht.