Du verpasst den Punkt. Es geht nicht darum, dass Delisting zu beantragen. Es geht darum, dass es eine Zumutung ist, überhaupt das Delisting beantragen zu müssen. Wenn man versehentlich, nachvollziehbar einmal alle Jubeljahre auf der Blocklist landet, wäre das noch akzeptabel. Hier liegt aber ein Fall vor, dass ich ungefähr alle sechs Wochen das Delisting erneut beantragend muss.
Ich persönlich habe so gut wie keine `outlook.de`/`outlook.com`/`hotmail.com`-Kontakte. Daher bekomme ich es selbst auch nicht immer zeitnah mit, wenn mein Server wieder Opfer eines Kollateralschadens geworden ist. Auf meinem VPS sind sechs Nutzer aktiv. Die übrigen Nutzer haben mehr Bekannte mit Microsoft-Konten. Ich bekomme dann nur ca. alle zwei Monate mitgeteilt, dass mein VPS mal wieder nicht funktionieren würde. Alle anderen Bekannten, die bei Microsoft, GMail oder Apple seien, hätten untereinander schließlich keine Probleme. Sprich: Microsofts Taktik, die ich hier unterstelle, geht auf. Angemerkt sei hier noch, dass eine Zustellung zu GMail oder Apple seit Anbeginn einwandfrei funktioniert; nur Microsoft blockt regelmäßig.
Ein Delisting bei Microsoft funktioniert in der Regel innerhalb von 48h, wenn man es selbst bei Microsoft beantragt, oder eher 4-5 Tage, wenn es über Netcup läuft. Gegen die Reaktionzeit beim Delisting kann ich mich nicht beschweren.
Das Problem ist jedoch, dass das Spielchen nach sechs Wochen wieder von vorne losgeht, einige Zeit anhält, weil ich es nicht zeitnah mitbekomme und damit für _mich_ (nicht für Microsoft) ein Reputationsschaden einhergeht.
Das Problem ist auch hinlänglich bei Netcup bekannt. Ich zitiere gekürzt aus der gestrigen Mail vom Netcup-Support:
ZitatAlles anzeigenGuten Tag <...>,
vielen Dank für Ihre Nachricht.
Ihre Verärgerung verstehe ich. Die durchgeführten Blacklistings [...] sind für uns nicht nachvollziehbar. Bei Spam-Vorfällen in einem Webhosting reagieren wir schnell und strikt, da wir die Problematik gut verstehen. Wir überwachen unsere Systeme 24/7/365 auf diese Art von Situationen. Oftmals jedoch werden, trotz unserer massiven Anstrengungen, z.B. auch ganze IP-Blöcke gesperrt. [...] Leider ist das Ganze eine bekannte "Geschäftspraxis" seitens Microsoft, von der nicht nur wir, sondern mehrere, große Provider betroffen sind. Dies wurde auch schon von der Fachpresse berichtet: [https://www.heise.de/newsticker/mel…ls-3975197.html] [...] Weiterhin hat sich der Heise-Verlag auch einmal mit der globalen Thematik beschäftigt: [https://www.heise.de/newsticker/mel…en-4259518.html]
Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass dies für unsere Kunden ein nicht tragbarer Zustand ist und sind daher schon seit geraumer Zeit im intensiven Dialog mit Microsoft. Leider stellt sich der Konzern in der Zusammenarbeit mehr als quer, [...] Auch diese Haltung wurde bereits online diskutiert: [https://community.spiceworks.com/topic/2075724-…tmail-blacklist]
[...]
Mit freundlichen Grüßen,
netcup Team
Dieses "Querstellen" seitens Microsoft habe ich nun selbst erlebt. Das eigentliche Delisting ging relativ schnell und unproblematisch, aber warum es überhaupt zu der Sperrung kam und wie man gedenkt zukünftiges Overblocking zu vermeiden, wollte man nicht kommentieren. Nachdem das Delisting durch war, haben wir noch mehrfach Mails ausgetauscht, weil ich insistiert habe, dass das Delisting einen dauerhaften Effekt hat.
Hier auch wieder gekürzt, meine Nachricht an Microsoft:
ZitatDear [...] and Manjushri,
it appears that for the time being mail delivery from my mail server to the Microsoft mail servers works again. Hence, your mitigation show a (probably temporary), positive effect.However, this does not answer my question: How do you ensure that this mitigation stays in effect *permanently*? I have to insist on that. Your practice of repeatingly overblocking mail servers at haphazard which are demonstrably of good standing is unacceptable. [...]
My mail server is a dedicated server which has not transmitted any spam mail since it exists. The mail server verifiably implements state-of-the-art anti-spam measures which even go beyond your own recommendations at <URL entfernt>. As you have confirmed yourselves my mails server (<IP>) itself hasn't been blocked. Hence, I must assume that you have blocked the entire IP range 202.61.192.0/18 or 2a03:4000::/32 or even the entire AS 197540.
As I wrote in my previous mail, this incident has been re-occurring several times. In each of the cases, my IP seems to have been a collateral victim due to your practice of overblocking entire network ranges. However, it appears as if any exemption from a block list only lasts until the next time the network range is blocked again.
I am considering to file a complain based on the European Digital Markets Act for the sector "communication platforms" and/or other applicable regulations. By not allowing to make permanent exceptions to your block list for inculpable mail servers you discriminate small providers and self-hosted solutions and abuse your market power as a "Gate Keeper" in a harmful and willful way. I strongly recommend you to find a lasting solution to this matter.
Die Antwort von Microsoft
ZitatHello,
Thank you for contacting the Outlook.com Deliverability Support Team.
I do apologize, but I am unable to provide any details about this situation since we do not have the liberty to discuss the nature of the block or our internal rules beyond those publicly documented at [URL entfernt]. Your IP ([IP entfernt]) has already been mitigated. We regret that we are unable to provide any additional information or assistance at this time.
Thanks again,
Das heißt Microsoft sagt im Wesentlichen, sie hätten Regeln an die man sich doch gefälligst halten solle, aber nur ein paar sind öffentlich dokumentiert und wieso und weshalb man darüber hinaus geblockt worden sei, würden sie nicht mitteilen. Das ist für mich ein nicht tragbarer Zustand. Ich nehme auch stark an, dass Microsoft es niemals wagen würde, GMail, Apple oder ähnliche große Anbieter so zu behandeln und mal hin- und wieder "versehentlich" zu sperren. Hätten wir eine stärker fragmentierte Provider-Landschaft und Microsoft würde sich so verhalten, dann würden Nutzer auch eher dazu tendieren, die Ursache Microsoft anzulasten, weil Microsoft-Kunden plötzlich keine Mails mehr empfangen könnten. Bei der vorliegenden Oligopol-Situation funktioniert so ein Verhalten. Aus meiner juristischen Laienperspektive ist das aber genau die Art von "Gate Keeper"-Verhalten, für die der DMA gemacht wurde.
Und nochmals: Ich bin noch nicht einmal Gegner von IP-Range-Blockaden. Falls ein Anbieter sich jedoch für diesen Mechanismus entscheidet, sollte zudem Mindestvoraussetzung sein, dass es eine Art permanente Allow List gibt, die verhindert, dass man wiederholt Opfer einer solchen IP-Range-Blockade wird. Es wäre auch akzeptabel, dass man von der Allow Liste wieder entfernt wird, sofern von dem Server selbst Spam ausgeht. Die Allow List wäre nur dazu da, um einer pauschalen IP-Range-Sperrung zu entgehen. Ziemlich offensichtlich hat Microsoft ja eine solche Liste, nur scheint die zurückgesetzt zu werden, wenn auch die Sperrung für den umliegenden IP-Bereich im ganzen aufgehoben wird.